Am 22. April luden wir (BTQ Kassel und ver.di Bezirk Frankfurt) gemeinsam mit Prof. Dr. Wolfgang Däubler und Dr. Ernesto Klengel, Wissenschaftlicher Direktor des HSI, zur Buchvorstellung „KI im Betrieb“ ins DGB-Gewerkschaftshaus ein. Was als Buchvorstellung begann, wurde schnell zu einer lebendigen Bestandsaufnahme: Künstliche Intelligenz ist in den Betrieben angekommen – oft schneller, als Regulierung, Mitbestimmung und Qualifizierung Schritt halten können.
Aus dem Publikum kamen Erfahrungen aus ganz unterschiedlichen Bereichen: aus der Tourismus-IT, dem kommunalen Gewässerschutz, der Personalarbeit, der gewerkschaftlichen Beratung und der IT-Praxis. Die Beispiele machten deutlich: Es geht längst nicht mehr um die Frage, ob KI eingesetzt wird. Entscheidend ist, wie sie eingeführt wird, wer darüber entscheidet und welche Rechte Beschäftigte und Interessenvertretungen dabei haben.
Besonders deutlich wurde die Spannung zwischen technischer Dynamik und betrieblicher Regulierung. Beschäftigte nutzen KI-Tools teilweise bereits informell, Arbeitgeber drängen auf schnelle Einführung, während Betriebs- und Personalräte häufig noch um passende Verfahren ringen. Dr. Klengel betonte in diesem Zusammenhang die Bedeutung von KI-Kompetenz in den Gremien und von Regelungen, die nicht bei jeder technischen Veränderung neu verhandelt werden müssen.
Prof. Däubler ordnete die Diskussion arbeitsrechtlich ein und machte deutlich, dass bestehende Mitbestimmungsrechte auch beim Einsatz von KI nicht verschwinden. Im Gegenteil: Gerade bei Personalentscheidungen, Leistungsbewertung, Datenschutz und möglichen Diskriminierungsrisiken komme es darauf an, frühzeitig Transparenz, Beteiligung und klare Grenzen zu sichern. Anhand konkreter Beispiele zeigte er, wo KI-Systeme bestehende Machtverhältnisse verschieben können – und warum Betriebs- und Personalräte hier nicht nur reagieren, sondern gestalten müssen.
Ein Höhepunkt des Abends war die anschließende Fishbowl-Diskussion. Die Teilnehmenden brachten eigene Fragen und Erfahrungen ein: von Haftungsfragen bei automatisierten Entscheidungen über Blackbox-Systeme bis hin zu digitalen Abbildern von Führungskräften und möglichen neuen Formen der Weisung. Die Diskussion zeigte: Viele Fragen klingen noch nach Zukunftsmusik, haben aber bereits sehr konkrete betriebliche Vorboten.
Deutlich wurde auch: Einzelvereinbarungen stoßen bei dynamischen und selbstlernenden Systemen schnell an Grenzen. Rahmenvereinbarungen, strukturierte Prüfverfahren, Qualifizierung und klare Beteiligungsrechte können helfen, KI-Einführungen nicht dem Zufall oder der technischen Logik zu überlassen.
Unser Fazit aus dem Abend: KI ist kein abstraktes Zukunftsthema mehr, sondern konkrete betriebliche Praxis. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob KI kommt, sondern ob Betriebs- und Personalräte rechtzeitig handlungsfähig werden.
Wer diese Fragen im eigenen Gremium vertiefen möchte, findet bei uns passende Inhouse-Seminare und Beratungsangebote zum Einsatz von KI im Betrieb.