MEHR als ein Festival
Impulse für die demokratische Digitalisierung
Impulse für die demokratische Digitalisierung
Das MEHR Festival 2026 der Otto-Brenner-Stiftung feierte vom 16.-19. Juni in Frankfurtseine Festival-Premiere und hat sich als sehr gelungener Treffpunkt für alle etabliert, die an einer sozial gerechten und demokratischen Zukunft arbeiten wollen – getragen von Akteur*innen aus Gewerkschaften, Wissenschaft und Zivilgesellschaft.
In der kreativen Atmosphäre des Kulturvereins Familie Montez und dem Industriecharme des umliegenden Hafenparks, ein umgestalteter ausgedienter Güterhafen, wurde schnell deutlich, warum dieses Format gerade für unsere Arbeit als Technologieberatungsstelle spannend ist: Digitalisierung wurde hier nicht isoliert als technischer Prozess gedacht, sondern im Kontext von gesellschaftlicher Transformation, Mitbestimmung und gewerkschaftlicher Praxis verhandelt. Das Thema wurde zudem auch der Form nach ganz im Sinne der Mitbestimmung bearbeitet, in einem Rat zu demokratischer Digitalisierung, in dem wir in einen produktiven Austausch mit Kolleg*innen gekommen sind.
Inhaltlich bot das Festival einen breiten und zugleich fokussierten Überblick über zentrale Zukunftsfragen, diese reichten von der demokratischen Gestaltung der Wirtschaft über Wohnen als Gemeingut, Migration als Chance, bis hin zu Fragen gewerkschaftlicher Erneuerung und nachhaltiger Digitalisierung. Diese Themen wurden in Räten lebhaft diskutiert als auch in Hackathons aktiv bearbeitet. Während die Räte Räume für strategische Debatten und kollektive Positionsentwicklung eröffneten, setzten die Hackathons stärker auf kollaboratives Arbeiten in kleinen Teams, in denen praktische Lösungen, Prototypen und Ideen für die Umsetzung entwickelt wurden.

Im Rat für Digitalisierung – Foto: Katharina Dubno/ Otto Brenner Stiftung
Für uns als Technologieberatungsstelle BTQ war der Rat für Digitalisierung ein besonderes Highlight. Hier wurde deutlich, wie zentral die Auseinandersetzung mit KI, Plattformökonomie und Cloud-Infrastrukturen für eine demokratische Gesellschaft geworden ist.
Diskutiert wurde nicht nur die wachsende Abhängigkeit von großen Tech-Konzernen und wie wir uns daraus lösen können, sondern vor allem die Frage, wie digitale Infrastrukturen im Sinne des Gemeinwohls gestaltet werden können. Eine besondere digitale Infrastruktur für uns als BTQ ist die von Unternehmen: wie wirkt sich ihre Gestaltung auf Beschäftigte aus und vor allem wie lässt sie sich durch Mitbestimmung gestalten?
Durch einen Input von Meike Zehlike (Team Passerelle) wurde deutlich, dass eine erfolgreiche Gestaltung und Implementierung neuer Technologien in Unternehmen den Weg über die Mitbestimmung gehen muss – denn ein solcher Prozess gestaltet eine technologische Transformation nicht nur demokratischer und im Sinne der Beschäftigten. Es kann darüber hinaus davon ausgegangen werden, dass eine durch die Beschäftigten mitbestimmte Transformation auch aus Unternehmensperspektive erfolgversprechender ist. Laut Zehlike ist die mitbestimmende Einführung von Systemen zwar in der Planung etwas langsamer, dafür aber in der Implementierung deutlich schneller und erfolgreicher. Das ist ein wichtiger Hebel für die Arbeit von Betriebsräten, um hier die Rechte der Kolleg*innen zu schützen.
In den Fishbowl-Diskussionen des Digitalisierungsrates brachte die BTQ Erfahrungen aus der Beratung von Betriebs- und Personalräten ein. Aufbauend auf diese Erfahrung und anknüpfend an die spannenden Inputs kamen wir mit Kolleg*innen ins Gespräch, lernten ihre Perspektiven kennen, verknüpften in der Diskussion inhaltliches Wissen und politische Positionen, die wir letztlich zu einem gemeinsamen strategischen Ausblick zuspitzen konnten.

Graphic Recording des Rats für Digitalisierung – Foto: Katharina Dubno/ Otto Brenner Stiftung
Das waren zwei wichtige Fragen, mit denen wir aus der Diskussion gegangen sind und an deren Beantwortung wir weiterarbeiten wollen. Mit den Anknüpfungspunkten und Vernetzungsideen, die sich aus dem Rat ergeben haben, macht das Lust, gemeinsam neue Mitbestimmungsformen zu erproben, um die digitale Transformation mitzugestalten.
Das Festival war aber auch ein richtiges Festival, das mehr bot als politische Debatten: Musik, Kulturprogramm und genug Raum für sozialen Austausch. Hier war Raum für die Teilnehmenden, sich gegenseitig kennenzulernen und auch jenseits des inhaltlichen Programms im Gespräch zu bleiben.

Ausklang des Festivals im Kulturverein Familie Montez – Foto: Katharina Dubno/ Otto Brenner Stiftung
Danke an die Otto Brenner Stiftung für dieses schöne Festival!
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